Die Gruppe in den Griff kriegen – Teil 1

Ein Kernelement des Rollenspiels ist die Gruppe an Spielern, die sich zusammen findet. Da jeder Mensch, bei allen Ähnlichkeiten die wir auch haben, anders ist, kann diese Gruppe ganz unterschiedlich gestaltet sein. Je nach Mitspieler funktionieren manche Dinge gut, andere nicht. Was man ohne Probleme machen kann, kommt auch immer auf die Gruppe an, die man hat, wie die Spieler „drauf sind“, wie offen sie füreinander sind, wie rücksichtsvoll, und wie spaß- und spielorientiert.

Da es wichtig ist, dass die Gruppe an sich funktioniert, und keiner wegen einem anderen dauerhaft zurück stecken muss, hier ein kleiner Exkurs, worauf man als SL achten kann und was man ausprobieren könnte, wenn Probleme in der Spielergruppe auftreten.

Das Vorgehen sollte dabei sanft aber bestimmt sein. D.h. der SL sollte versuchen die unterschiedlichen Positionen zu verstehen, aber trotzdem zusammen zu bringen. Das wird manchmal gelingen, manchmal auch nicht. Am besten achtet man von vornherein darauf (wenn man diese Möglichkeit hat) wie die Spieler sind und wie sie reagieren, wenn ein Problem auftritt, bevor man eine lange Runde beginnt.

 

Mögliche Reaktionen bei Problemen:

  • Wut/Ärger
  • Gekränktheit
  • Trotz
  • Unzufriedenheit
  • Trauer
  • Rückzug
  • Flucht
  • Kampf

 

Die produktivste Reaktion:

  • gemeinsam um Verständnis für das eigentliche Problem bemüht und lösungsorientiert

 

Wichtig: Es geht nicht darum jemanden bloß zu stellen oder einen Krieg mit den Spielern anzufangen. Am Besten greift man sich den raus, der das Problem ständig verursacht und redet ganz sachlich mit viel Zeit und Verständnis mal allein mit ihm. Und: Es kann sein, dass sich herausstellt, dass das Problem ganz woanders liegt, als bisher gedacht. Außerdem: Nicht alle Probleme kann man lösen, manchmal funktioniert es eben einfach nicht oder nicht mehr und man muss etwas grundsätzlich ändern. Das ist wie mit Beziehungen die den Herzstillstand schon überschritten haben und wo die Partner sich gegenseitig eigentlich nur noch nerven, und erst nach der Trennung erleichtert sind und wieder anfangen können zu leben. Für vieles gibt es gute Lösungen, und manchmal ist auch eine Lösung, die eigentlich als schlecht gilt, die gute.

Wichtig ist, dass es um das Problem geht und nicht um die Person an sich, d.h. dass man nicht die Person in den Mittelpunkt stellt, sondern das Problem, mit dem man es zu tun hat. Also: Wenn du xy machst, dann [Problemschilderung].

Außerdem ist wichtig, dass man das ganze ruhig angeht. Es geht hier nicht darum, sich zu streiten und ein großes Drama daraus zu machen, sondern um eine ganz nüchterne, verständnisvoll gehaltene Problemlösung. Zumindest soweit das möglich ist, natürlich kommt es auch immer auf das Gegenüber an. Wenn eine Person sich wie die Axt im Walde verhält, kann es schwierig sein, selbst ruhig zu bleiben. Eine Möglichkeit ist es, der ausfallenden Person eine Art Spiegelung ihrer Worte zu geben, wenn man fand, dass diese daneben waren. Also: Ich wiederhole jetzt mal, was du gesagt hast, okay? Wenn die Person dann abblockt und nicht zuhören will, dann macht ein weiteres Gespräch mit ihr in diesem Moment sowieso keinen Sinn mehr, und man kann das ganze erstmal abbrechen. Denn dann ist die Person auf Krawall gebürstet und weiß eigentlich selbst nicht genau, was sie sagt und kann nicht zu ihren Worten stehen, wenn sie ihr wiederholt werden. Im besten Fall kann man Probleme aber wirklich ganz sachlich, freundschaftlich und verständnisvoll angehen!

 

Ich komme jetzt zu unterschiedlichen Problemlagen und beschreibe kurz, was man versuchen kann. In diesem Beitrag (Teil 1) geht es erst einmal um folgende zwei Probleme:

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Das Spiel wird von einem Spieler dominiert

Es gibt immer wieder Spieler, die reißen alles an sich, und zwar nicht nur mit ihrer Figur. Manchmal ist das kein Problem, wenn trotzdem eine Art Rücksichtnahme herrscht und das Spiel ausgepegelt ist und allen Spaß macht. Dominanz an sich kann auch sehr unterhaltsam sein und ist nicht in jedem Fall schlecht. Wir reden jetzt aber von dem Fall, wo die Dominanz ein Problem ist, da die Gruppe unter der Dominanz eines Spielers immer wieder leidet. Der SL muss hier ein wenig wachsam sein, besteht die Gruppe eher aus schüchternen Spielern, wird vermutlich keiner das Problem ansprechen und der SL merkt es vielleicht nicht, weil der Dominante zufrieden ist und mit seiner Zufriedenheit alle anderen überstrahlt.

Wenn der SL merkt, dass eigentlich nur eine, oder zwei Personen noch rege am Spiel beteiligt sind, die anderen sich aber mehr und mehr zurück ziehen, dann liegt ein Ungleichgewicht vor. Am besten redet er zuerst einmal allein mit den Spielern, die in letzter Zeit nichts mehr tun, und checkt, ob es wirklich an der Dominanz eines Spielers (oder eines Spielers mit seinem Kompagnon) liegt.

Der SL kann dann versuchen mit dem dominierenden Spieler zu reden und ihm klar zu machen, dass die anderen keinen Spaß mehr haben, wenn seine Figur alles tut und er auch jedes Out-Time-Gespräch mit seiner Meinung dominiert. Am besten macht er das in einem Gespräch unter vier Augen, da der dominante Spieler sich dann nicht bedrängt fühlt sich vor der Gruppe irgendwie zu beweisen, oder aber sich vor den anderen bloß gestellt fühlt.

Und der SL muss auch nicht alles lösen, er kann die Lösung für das Problem auch dem Dominanten übertragen, indem er ihm nach Schilderung der Problemlage folgende Fragen stellt: Was können wir jetzt tun? Was denkst du? Wieso reißt du eigentlich alles an dich? Was davon ist dir wirklich wichtig und wo könntest du dich, ohne, dass du deshalb leidest, etwas zurücknehmen?

So beteiligt er ihn, was für einen dominanten Spieler, der gern im Mittelpunkt steht, wichtig ist, da er sich vermutlich nur ungern irgendwas sagen lässt und dann möglicherweise gekränkt ist und trotzig wird. Allgemein ist es immer gut, nicht nur irgendwas vorzugeben, sondern auch bei Problemen alle die das Problem verursachen an der Lösung zu beteiligen. Dafür muss man nur sicherstellen, dass auch wirklich jeder begriffen hat, worum es gerade überhaupt geht. Denn wenn jemand nicht weiß, worum es eigentlich geht, und daher kein Verständnis für die Situation entwickeln kann, wird er auch keine gute Lösung finden.

 

Es gibt jemanden, der ständig nörgelt und immer unzufrieden zu sein scheint

Ein ungeduldiger Dauernörgler kann ziemlich an die Substanz gehen. Nie kann man es ihm recht machen, und selbst wenn man es versucht, guckt er einem genau auf die Finger, ob man nicht doch irgendwo einen Miniangriffspunkt bietet, bei dem er einscheren kann. Der Dauernörgler hat die Macht, allen den Spaß zu verderben.

Es gilt aber erst einmal folgendes zu analysieren: Woran nörgelt der Spieler überhaupt? Sehen das die anderen genauso und der Nörgler nörgelt nur stellvertretend für die Gruppe? Kann man die Sache, an der genörgelt wird ohne großen Aufwand ändern? Wenn ja, dann sollte man hier ansetzen.

Wenn sich aber herausstellt, dass der Nörgler eben tatsächlich ein Dauernörgler ist, der sich an den kleinsten Kleinigkeiten aufhängt und versucht aus allem ein Riesendrama zu machen, dann muss man mit ihm reden, um festzustellen, was das eigentliche Problem ist. Vielleicht fühlt die Person sich ja gar nicht wirklich wohl und deswegen ist sie von allem genervt und kritisiert alles? Man sollte also erstmal rausfinden, ob der Nörgler überhaupt Spaß an der Sache hat, oder einfach nur noch aus Gewohnheit dabei sitzt. Man kann ihn fragen, was ihm denn eigentlich Spaß machen würde und sich anhören, was dann kommt und ob es Erwartungen sind, die total überzogen sind oder grundsolide.

Den Nörgler kennzeichnet ja, dass er oft nicht klar ausspricht, was das eigentliche Problem ist (weil er es möglicherweise selbst nicht weiß) und eine Lösung dafür fordert, sondern, dass er ständig an allem meckert, ohne Rücksicht darauf, ob er den anderen Spielern jetzt gerade den Situationsspaß verdirbt. Der SL beschreibt zum Beispiel atmosphärisch eine tolle Szene. Auf einmal unterbricht der Nörgler mit Kritik an einem Detail: „Aber die Boote der alten Römer waren nicht grün sondern blau! Das weiß doch jeder! Dass die Leute immer keine Ahnung von Geschichte haben!“ (dramatisches Seufzen und Schnauben des Nörglers). Alle denken sich: Mir ist völlig egal, was die Boote für eine Farbe haben, das ist doch gar nicht wichtig, für die Szene! Der SL ist unterbrochen, überlegt wegen dem dramatischen Auftritt des Nörglers, ob er gerade wirklich etwas verkehrt gemacht hat, und muss erstmal seinen Faden wiederfinden. Die Szene wurde gecrasht. Der Nörgler sitzt mit hartem Gesicht da und schüttelt verächtlich den Kopf. Die anderen gucken vom SL zum Nörgler hin und her, und fragen sich, was eigentlich los ist. Wäre der Nörgler kein Nörgler sondern ein normaler Spieler, hätte er nach dem Spiel den SL vielleicht kurz mit einem Augenzwinkern informiert, dass er sich sicher ist, dass die Boote blau und nicht grün waren. Er würde nicht an Details meckern und ganze Szenen wegen Nichts unterbrechen, sondern unterstützend informieren, wenn es dann rein passt.

Bei dem Nörgler kann es sein, dass die Person grundsätzlich über irgendetwas in ihrem Leben wütend oder ärgerlich ist, es aber an Stellen auslässt, die gar nichts mit der Quelle der negativen Gefühle zu tun haben, einfach, weil dem Nörgler die wahre Ursache gar nicht klar ist, er sie möglicherweise auch bewusst versucht, nicht zu sehen, und sie vielleicht auch aus seinem Privatleben kommt und mit dem Spiel gar nichts zu tun hat.

Dem Nörgler kann man also folgende Fragen stellen: Warum nimmst du keine Rücksicht auf die Szenen und deine Mitspieler? Was möchtest du? Fühlst du dich in der Runde überhaupt wohl? Stört dich etwas an dem Spiel grundsätzlich? Ist es möglich für dich, dich zurück zu nehmen oder Kritik, wenn sie für den Spielablauf nicht wirklich wichtig ist, einfach nach der Runde zu äußern?

Hier muss man nur aufpassen: Der Nörgler trägt seine Kritik oft nicht dahin, wo sie gehört, es kann also sein, dass er auch hier alles mögliche an Kritikpunkten auf den Tisch legt, die eigentlich Kleinkram sind und niemanden sonst stören würden. Das kann auch von so unsinniger Qualität sein wie: Die Chipstüten rascheln zu laut, wenn die anderen sie aufreißen! Immer regnet es draußen, wenn wir spielen und es ist zu dunkel und ich seh nix im Zimmer, wenn es draußen regnet! Ich habe eine Allergie gegen die Katze, die hier vor 10 Jahren wohnte, ich bin sicher, hier ist noch irgendwo ein Haar, das macht mich nervös. In XY herrscht Krieg und alle sterben, und wir amüsieren uns hier, davon werde ich ganz krank! Niemand sollte sich freuen und Spaß haben, solange nicht der Weltfriede herrscht! Es gibt keine Freundschaft und wir betrügen uns hier doch eh nur, wenn wir zusammen sitzen und spielen. Es ist möglich, dass der Nörgler aber tatsächlich denkt, dass diese möglicherweise etwas unsinnig wirkenden Dinge das Problem sind und sein permanentes Nörgeln eine Lösung dafür darstellt, d.h. für ihn ist das ernst und er möchte dann natürlich auch ernst genommen werden.

Der SL muss hier dann dennoch die Kurve finden: Er möchte ein schönes Spiel, und muss herausfinden, ob das mit dem Nörgler prinzipiell überhaupt machbar ist. Es geht ja hier um eine spaßige Freizeitbeschäftigung und nicht um eine Therapiesitzung für den Nörgler. Je nach dem, was sein Ergebnis ist, muss der SL dann eine Entscheidung treffen, aber am besten auch den anderen Spielern erklären, warum er sich von dem Nörgler trennen möchte, wenn die Entscheidung so ausfällt. Es kann sein, dass bestimmte Spieler aus Solidarität den Nörgler in Schutz nehmen wollen, obwohl sie unter ihm leiden, da sie niemanden ausgrenzen wollen. Hier kann man klar machen, dass man den Nörgler aus seiner Sicht ja versteht, dass es für ihn tatsächlich ernst ist, aber dass es hier um ein Spiel geht, und um den Spaß der Gruppe, und das mit dem ständigen Nörgeln und der fehlenden Rücksicht auf alle anderen einfach nicht geht, und es dem Nörgler ja auch keinen Spaß macht. Und der Nörgler ja gern zurück kommen kann, wenn er seine Probleme an der richtigen Stelle gelöst hat.

 

Ich glaube, das wichtigste ist, ein paar brauchbare Orientierungspunkte zu haben, wie man mit bestimmten Situationen umgeht, um sie lösen zu können. Danach kommt im Prinzip das Ausprobieren und feststellen, ob es so funktioniert oder nicht – und wenn nicht, dann das nächste auszuprobieren.

Ich hoffe, dass ihr daraus etwas ziehen konntet. Es gibt sicher auch andere Wege, ich habe hier einfach mal etwas vorgestellt, von dem ich glaube, dass es funktionieren kann. Wie geht ihr denn mit solchen Situationen um? 🙂

 

In Teil 2 werde ich dann weitere mögliche Problemsituationen in der Gruppe (samt Lösungsvorschlag) betrachten.

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