Handlungsorte greifbar machen

Heute geht es um Handlungsorte, und wie man eine möglichst dichte Atmosphäre erzeugt. 🙂

 

Wie konkret sollten Handlungsorte sein?

Nehmen wir folgende Situation: Der Rollenspielleiter sitzt am Tisch und alle drumherum. Er legt los mit seiner Beschreibung, und die klingt so:

Ihr kommt also in der Kneipe an. Die Barfrau hinter dem Tresen lächelt.“

So kurz, so gut? Funktioniert zwar, aber ich denke, da geht noch einiges.

Natürlich soll sich kein Rollenspielleiter den Mund fusselig reden, während alle um ihn auf die Uhr schauen, und sich fragen, wann endlich ihr Einsatz kommt. Aber ein wenig mehr Stimmung und Ortsbeschreibung darf es schon sein.

Also nochmal:

Ihr kommt also in der Kneipe an. Sie sieht schon von außen etwas schäbig aus, die blaue Farbe der Fassade ist an einigen Stellen abgeblättert. Das Schild auf dem der Name „Zum Sonnentau“ steht, wurde schon mehrmals nachbeschriftet, offenbar hieß sie mal anders. Drinnen riecht es nach Bratkartoffeln, aber auch etwas angebrannt. Es stehen ungefähr acht lange Holztische im Raum verteilt, von denen die Hälfte mit Gruppen von Leuten besetzt ist. Im Dämmerlicht hier drin seht ihr allerdings noch nicht viel mehr. Die Barfrau an der Theke, über der auch die Lampe hängt, ist blond und sieht toll aus, sie lächelt, als hätte sie einen wirklich guten Tag gehabt.“

Länger, aber auch schöner. Das heißt nicht, das jeder fitzelkleine Schauplatz ausführlich beschrieben werden sollte. Aber hier und da ein paar Details machen das ganze lebendig und greifbar.

 

Merkzettel

Weiß man vorher, wo sich die Figuren rumtreiben werden, kann man sich einen kleinen Merkzettel für die Schauplatzbeschreibung anlegen. Das kann z.B. so aussehen:

Lagerhaus

  • riecht nach Holz
  • auf dem Boden Ölflecken
  • alte Kisten- und Kistenfüllreste in den Ecken
  • man hört es in den dunklen Ecken rascheln (Mäuse/Ratten)
  • die Fenster sind milchig angelaufen
  • jemand hat mehrere schwarze Graffiti angesprayt, die Galgenmännchen zeigen
  • Glasscherben einer kaputten Glühbirne liegen in dem Bereich ohne Licht

Herrenhauseingangshalle

  • zwei geschnitzte Holzlöwenköpfe zieren das Treppengeländer
  • blaue und rote Wandteppiche mit Jagdmotiven
  • es riecht nach Politur
  • die Dielen sind glatt und frisch gewachst
  • usw.

Sind die Figuren am Ort angekommen, dann schaut der Spielleiter mal eben kurz auf seinen Merkzettel und greift ein paar Sachen zum Ort raus, damit sie wissen, wie es dort aussieht und die Stimmung des Orts erfassen können.

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Detailfindung

Wie findet man Details zur Beschreibung des Schauplatzes? Am besten orientiert man sich an den Sinnen: Was ist zu hören? Was ist zu sehen? Wie riecht es da? Was kann man fühlen? Ggf. was ist zu schmecken?

Und auch: Welches Gefühl soll der Ort hervorrufen? Soll es ein friedlicher Ort sein? Ein chaotischer? Ein unheilvoller? Ein gemütlicher? Ein Ort, der etwas anderes ist, als er auf den ersten Blick scheint? Auch das beeinflusst, welche Details für die Beschreibung gewählt werden sollten.

Nochmal ein paar Beispiele:

Was ist zu hören?

  • das wispernde Rauschen der Kastanienbäume
  • das fröhliche Zwitschern von Vögeln
  • das hölzerne Knarzen der alten Treppenstufen

Was ist zu sehen?

  • der rote Teppich, der sich wie eine Zunge durch den Raum rollt
  • die abgewetzten Sitzbezüge
  • die Marmorstatue, der der Kopf fehlt

Was ist zu riechen?

  • der scharfe Geruch von verbrannten Blättern
  • der leckere Schmorbraten im Ofen
  • das Rosenparfüm der Hausherrin

Was ist zu fühlen?

  • die knirschenden spitzen Glasscherben unter den Schuhen
  • die Kälte der kalten, nassen Kellerwände
  • das moorige Einsinken auf dem alten Gartenpfad, als hielte der Weg die Figuren fest und will sie am Weitergehen hindern

Was ist zu schmecken?

  • nach einer tätlichen Auseinandersetzung z.B. das metallische, salzige Blut im Mund
  • der verdächtig bittere Wein
  • der süße Geschmack frischer Croissants mit Marmelade, die XY ihnen fürs Frühstück bereitgelegt hat

 

Ich denke, das Prinzip dürfte klar sein 🙂

Überlegt welchen Ort ihr habt. Schaut nochmal was für Sinne es gibt. Und dann überlegt, was typisch für diesen Ort ist, und was das Besondere. Macht den Ort spezifisch und wiedererkennbar, ohne euch jedoch in der Beschreibung zu verlieren. Ein paar kurze Details reichen meist, und schon haben alle eine Vorstellung und ein Gefühl von diesem Ort, an dem sich die Figuren bewegen.

Die Szene wird lebendiger und konkreter.

Viel Spaß beim Ausprobieren! (Falls ihr nicht sowieso schon die Schauplätze erlebbar beschreibt :))

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